Der Balsapibros

Artikel verfasst von Matias Rajkay

Infos zum Bau:



Material: Balsaholz, Bespannungsfolie, Sperrholz
Materialstärke: 1,5 mm + 3 mm
Klebstoff: Sekundenkleber, Weißleim, UHU-Plus (5min)
Werkzeug: Schraubzwinge, Schleifklotz, geschickte Hände
Bauzeit: ca. 18 - 26 Stunden
Schwierigkeit: Absoluter Profi


Nun, das verdient nicht nur besonderen Respekt! Nein, ich denke so etwas sollte hier auf der Seite auch Beachtung geschenkt werden. Matias Rajkay heisst der gute Mann, der erstens einen Balsa Pibros baute und uns auch noch eine Bauanleitung samt Schnittmuster und was sonst noch dazugehört, zur Verfügung stellte. Doch wie sagt man so schön... Lest selber, was er zu berichten hat:


Der Balsa Pibros

Im Augustheft der Zeitschrift FMT fand ich den Beitrag von Jürgen Waßmund über eine Balsavariante des Pibros. Der Artikel enthielt eine Kurzbeschreibung, sowie eine Skizze mit allen wesentlichen Maßen, und eine Darstellung der Rippen. Dieses Ding mußte ich haben!

Auf der Basis dieser Daten habe ich dann einen 1:1 CAD Plan gezeichnet (mit der Software DesignCAD LT 2000), um die Pibrosteile mit meiner Step-Four Fräse ausfräsen zu können. Parallel zu der Balsa-Pibros baute mein Sohn eine Depron (Original-) Pibros, um einen Vergleich zu haben.

Im Vergleich zum FMT Artikel habe ich auf ein Rumpfboot verzichtet, durch die Auswahl kleiner Komponenten kann man den Empfänger (Pico 3/4 von MPX) und die dazugehörigen Microservos ohne weiteres in der Fläche versenken - trotz der maximalen "Dicke" von nur 11 mm! Nur die Batterie steht minimal heraus (zumindest die verwendeten 4x110 mAh Zellen)

Die Verwendung der Step-Four klingt bei so wenig Bauteilen ein wenig nach Luxus, jedoch ist es bei den zahlreichen Löchern eine enorme Erleichterung, und natürlich kann man dann immer wieder mal eine Pibros nachbauen… fast genauso schnell wie aus Depron!

Bauplan:


Die einzelnen Beplankungsteile aus 1,5 mm Balsa wurden zunächst mit Sekundenkleber stumpf verklebt, so erhält man den (glatten) Boden und die "Oberhaut". Der Aufbau beginnt mit dem Boden, indem zuerst die Endleiste (ein Streifen 1,5 mm Balsa), dann die Rippen (3 mm Balsa) und zuletzt die Nasenleiste (muß zuvor aus drei 1,5 mm dicken Streifen laminiert werden und auf die Höhe der Rippen jeweils konisch ausgedünnt werden) mit Weißleim aufgeklebt werden. Es ist sehr wichtig den Boden verzugsfrei zu halten - ich habe während der Trocknungsphase des Weißleims die jeweils bearbeitete Kante mit einem Stahllineal und Schraubzwingen mit der Tischkante verpreßt. Die mittleren beiden Rippen sollte man so setzen daß Empfänger und Empfängerbatterie dazwischen passen. Im hinteren Bereich später Paßstücke einfügen, um der Leitwerksflosse (3 mm Balsa) genug Halt zu geben). Nach Trocknung des Bodens die obere Beplankung - ebenfalls mit Weißleim - aufkleben. Es empfiehlt sich das Holz ein bißchen anzufeuchten, um Rissen vorzubeugen. Einige Sandsäcke (ich verwende Vogelsand in Tüten aus dem Drogeriemarkt) auf der Beplankung zur Druckverteilung, darauf eine Preßspanplatte, darauf wiederum Gewicht sorgen für eine innige Verbindung der Klebestellen und garantieren gleichzeitig Verzugsfreiheit. Nach der Trocknung das Ganze jetzt vorsichtig verschleifen (vor allem die Nasenleiste auch in Form bringen). Ach ja, Empfänger jetzt bereits einbauen (so dass davor noch Platz für die Batterie bleibt!) und die Antenne soweit wie möglich geradlinig im Flügel verlegen (mit einer Nadel die Rippen anpieksen). Servos und Batterie habe ich erst nach der Bespannung endgültig positioniert, um möglichst ohne Blei den Schwerpunkt einstellen zu können.

Die Ruderklappen werden aus zwei Lagen laminiert (erhöht die Steifigkeit enorm!) und auf Maß geschliffen. Dazu baut man sich am Besten eine kleine Vorrichtung: Man nehme einen Stahldraht mit 5 mm Durchmesser, und Länge > Ruderklappe, und befestige diesen Draht mittels Schrauben, Nägel oder dergleichen auf ein Brett. Die laminierte Ruderklappe mit der Vorderkante anlegen, und hinten ein Stahldraht mit 1,5 mm bündig an die hintere Kante anlegen, und ebenfalls gut am Brett befestigen. Der Rest ist schleifen, schleifen, schleifen… mit einem harten Schleifklotz und den Stahldrähten als Führung. An dieser Stelle darauf achten, daß man eine linke und eine rechte Klappe braucht, welche jeweils an ihrer Oberseite beschliffen werden!!!

Jetzt den ganzen Vogel bespannen, ich habe dazu OraLight verwendet, Schlitz für Leitwerksaufnahme schneiden, Flosse einpassen (noch nicht einkleben!). Halter für Handstart (gleichzeitig Aufnahme für den Hochstarthaken) aus Sperrholz einpassen, und mit 5 min. UHU-Plus in Höhe des Schwerpunktes (ca. 220 mm hinter der Nase) einkleben (ich hab's bei meinem beidseitig zusätzlich mit CFK-Band beklebt, erhöht die Stabilität und Griffigkeit - siehe Foto). Ruderklappen mit Scharnierband ankleben, Rudergestänge vorbereiten, d.h. hinteres Ende fertig machen, vorne aber noch lang lassen, bis die Servoposition festgelegt werden kann (ich habe meine Rudergestänge aus 2 mm Carbon-Stäben gemacht, hinten eine Löthülse mit Sekundenkleber aufgeklebt, vorne 0,8 mm Stahldraht mit Z-Kröpfung, mit dünnem/starkem Faden umwickelt, und mit Sekundenkleber gehärtet - siehe Foto).

Flosse nun einstecken, halbfertige Gestänge einhängen, Batterie vorne auflegen, und Servos so lange vor- und zurückschieben, bis der Schwerpunkt bei ca. 220 mm liegt. (Im FMT Artikel waren 226 - 230 mm angegeben, bei meinen Flugversuchen mußte ich aber den Schwerpunkt um 5 mm weiter vor verlegen). Sobald die Positionen festliegen, Flosse entfernen, und vorsichtig die untere Beplankung an den entsprechenden Stellen mit einem scharfen (!!!) Skalpell öffnen. Durchbrüche für die Servohebel an der Oberseite herausarbeiten, Servos einkleben (ich habe dazu starkes doppelseitiges Klebeband verwendet, z.B. Powerstrips) und Leitungen zum Empfänger verlegen. Öffnungen wieder verschließen (wenn man ein wirklich scharfes Skalpell verwendet, kann man die Originalausschnitte wieder verwenden, und mit dünnflüssigen Sekundenkleber bombenfest einkleben. Rudergestänge fertig machen, Batterie vorne in die Spitze (von unten) einsenken. Ich habe die Batterie dann mit Tesa-Gewebeband abgedeckt. Einen Schalter gibt es nicht, ich verwende eine Steckverbindung. Den Ausschnitt über dem Empfänger habe ich mit dünnstem ABS abgedeckt und überbügelt. Jetzt kann die Seitenflosse mit wenig Sekundenkleber endgültig fixiert werden. Die fertige Balsa Pibros wiegt ca. 175 Gramm.

Das Flugverhalten:


Im Vergleich zu der gleichzeitig gebauten Depron-Pibros ist die Balsavariante schneller und präziser im Flug. Die erste Flugerprobung per Wurf brachte befriedigendes Flugverhalten. Der erste Versuch am Hang (in der Bretagne, am Menez-Hom) verlief aber nicht gut, die Pibros wurde durch den mäßigen Wind beim leichtesten Ziehen wie ein Blatt nach hinten geweht, und konnte keine Fahrt aufbauen. Daraufhin haben wir die Erprobung am Strand von niedrigen Dünen aus fortgesetzt. Nach Vorverlagern des Schwerpunkts um ca. 5 mm (leider nur mit Blei möglich - 7,5 g) besserte sich das Flugverhalten dramatisch, die Pibros lag nun wie ein Brett in der Luft! Erste zaghafte Hochstartversuche ließen viel Spaß aufkommen, und ein erneuter Flugtag am Menez-Hom verlief phantastisch! Selbst bei starkem Wind läßt sich die Pibros einwandfrei fliegen, Rollen und Rückenflug sind ihre Domäne. Bei Loopings mangelt es ein wenig an Durchzug, aber sonst - die Flugdauer am Hang ist nur durch die Kapazität der Empfängerbatterie beschränkt - nach 30 Minuten ist es Zeit zu landen, und neu zu laden. Aus lauter Übermut haben wir auch die Hochstartversuche fortgesetzt - Multiplex HLG-Bungee, Gummi um 9 - 10 Meter(!) ausgezogen, Pibros waagrecht (sehr wichtig!) loslassen. Sobald der Gummi abfällt kurz ziehen, und das Teil steigt wie eine Rakete auf ca. 50 meter. Diese Übungen brachten auch die Belastbarkeit an die Grenze - nachdem bei einem dieser Starts eine deutliche V-Form sichtbar wurde, gepaart mit verdächtigen Geräuschen, habe ich an der Unterseite der Pibros (vor der hintersten Lochreihe sowie an der Endleiste) 6 mm breite Carbonstreifen mit dickflüssigem Sekundenkleber über die ganze Breite aufgeklebt. (Diese Streifen gibt es in den U.S.A. als Meterware - es handelt sich um fertig laminierte Carbonstreifen in 6 oder 8 mm Breite, sehr dünn, und werden in der Regel als Holmverstärkung verwendet. Es gibt sie ohne Kleber, sowie zum Aufbügeln. Anbieter in den U.S.A. sind Dave Brown sowie Bob Violett (auch als BVM bekannt) - hier in Deutschland habe ich sie jedoch noch nicht gesehen - vielleicht erbarmt sich mal ein Importeur - das Zeug ist auch super bei Reparaturen). Die Carbonstreifen waren bei der Fotosession noch nicht aufgeklebt.

Blick in die Zukunft:


Ich werde wohl noch ein wenig experimentieren - die nächste Pibros bekommt wahrscheinlich die Carbonverstärkungen gleich mit eingebaut. Ich plane auch Versuche mit Verbrenner (1,0 ccm), Elektro (habe soeben zwei Stück Brushlessmotoren der 280er Klasse bei Astroflight in Amerika bestellt), und vielleicht eignet sich Pibros auch als Raketengleiter?

Hier noch einige Detail-Aufnahmen :




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